Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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Großderschauer Jubiläumsfest mit Knieperkohl

30 Jahre plattdeutscher Mundartzirkel !

Im Winter 1987 war es  - vor 30 Jahren, da trafen sich im Rhinluchdorf Großderschau zwischen Rathenow und Neustadt Frauen und Männer, um eine Tradition wieder aufleben zu lassen. "Reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist", darum ging's. "Dat Plattdüütsche lief bannig Gefahr, verschütt' zu gehen". Fritz Neye, damals Chef eines Pflanzenbaubetriebes mit 9000 Hektar, war einer, den das wurmte. Als er in die Schule kam, war Hochdeutsch seine erste Fremdsprache gewesen, die es zu erlernen galt. Geboren und aufgewachsen in Friedrichsdorf, das seit den 50er Jahren Großderschau heißt, verbrachte Fritz viel Zeit bei seinen Großeltern mütterlicherseits. Hier wurde nur up platt snackt. Die niederdeutsche Mundart - einfach, klar, gerade heraus - sollte nicht in Vergessenheit geraten. Schon beim Bauernball im Winter 1986 suchte Neye Gleichgesinnte. Er fand sie im Lehrerehepaar Christa und Gunter Grähn, in Georg Viebig, Ilse Schmock und anderen. Bis zum Entstehen des Mundartzirkels dauerte es .

Das Protokoll der Gründungsversammlung trägt das Datum 17. Januar 1987. Christa Grähn wurde zur Vorsitzenden gewählt und sollte es 29 Jahre bleiben. Mittlerweile lebt die über 90-Jährige in einem Rathenower Seniorenheim.

Christa Grähn mit der Bundestagsabgeordneten Dr. KirstenTackmann

"Wir wissen, dass die Einladung damals von der VdgB kam, der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe", sagt Helga Klein. "Und dass es damals bitterkalt gewesen sein muss. Deshalb war wohl auch die Zahl der Gründungsmitglieder nicht so groß, wie erwartet. Der Zuwachs blieb aber dann nicht aus. Im November 1987 hatte die Gruppe schon 23 Mitglieder." Helga Klein ist Vorsitzende der "Initiative Begegnungsstätte Großderschau" mit Kolonistenhof und Museum im Heimathaus, die sich der Pflege bäuerlicher Traditionen widmen. Und sie hat das Erbe von Christa Grän angetreten

Fritz Neye verschlug es der Liebe wegen ins nahe Kyritz. Es kannte da schon den Freundeskreis der Plattdüütschen, gegründet einst von Hilde Kloos, geführt über Jahre von Heinz Müller. Als der Stüdenitzer nach seinem 80. Geburtstag die Leitung abgab, übernahm sie Fritz Neye. Mittlerweile selber schon im hohen Alter, gab er mittlerweile den Staffelstab an Gabriele Ellfeldt weiter, ist aber nach wie vor rührig und immer noch voller Ideen.

Die Verbindung zwischen Kyritz und Großderschau ist stabil geblieben. Die Havelländer schicken immer mal wieder Abordnungen zu den Treffen an jedem 1. Mittwoch des Monats in die Knatterstadt, die Kyritzer zeigen sich zum Beispiel bei den plattdeutschen Festivals in Großderschau. Dessen 3. Auflage wird dort jetzt schon für den 10. Juni vorbereitet. Es gibt Kontakte nach Havelberg, Wittstock und Putlitz. Platt ist auch hier angesagt. Man hat sich eben wat to vertelln, sogar in Potsdam - als Teil des Vereins für Niederdeutsch im Land Brandenburg lassen die Havelländer und Prignitzer das regionale Plattdeutsch auch schon mal in der Landeshauptstadt erklingen.

 

Das nächste Treffen führt Kyritzer und Havelberger am 9. Februar in Holzhausen bei Kyritz mit den Jubilaren zusammen. "Wir feiern unseren 30. Geburtstag in der Gaststätte Thiel mit einem zünftigen Knieperkohl-Essen", kündigt Helga Klein an. Natürlich wird es auch ein paar Reden geben - up platt oder so, wie jedem der Schnabel eben gewachsen ist.

Wolfgang Hörmann

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VERANSTALTUNGEN

Mo., 23. Okt., 10:00 Uhr
2.offene Kita-Paten-Werkstatt in Wittstock
 
Mo., 23. Okt., 14:00 Uhr
Plattrunn in Schwedt
 
Di., 24. Okt., 18:00 Uhr
Stammtisch Plattdeutsch in Wittstock
 
Mi., 1. Nov., 14:00 Uhr
Unnerwegens im Wegemuseum Wusterhausen
 

PLATT IN UNS KIRCH

5. Nov., 15:00 Uhr
Platt in de Kolonistenkirch Großdersschau