Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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September-Rundbreef 2015

„Dat Adbeernest , dat is mal grünnt, dat wi uns doar tosammenfinnen, uns Muddersproak recht good to plägen, un nich bloß Hochdüütsch rumtoräden.“

Dieser Vers stammt aus einem Gedicht von Margit Mandelkow aus dem Verein Adbeernest Prenzlau, der am 11. September im ehemaligen Dominikanerkloster sein 20jähriges Bestehen feierte. Dabei handelt es sich keineswegs um Erdbeerfreunde, wie mancher Unkundige mutmaßen könnte. Der „Aodeboar“ ist der uckermärkische Storch, ein Symboltier der Region und darum vor 20 Jahren für die Plattschnacker an der Ucker bestens geeignet als Name für ihren Verein.

Jubiläumsgäste kamen aus der ganzen Uckermark, Sänger aus Brüssow ,sogar Staatssekretär Martin Gorholt ,SPD, Potsdam und Marianne Ehlers aus Bordesholm, Schleswig/Holstein waren angereist. Ein Verdienst vor allem von Sprachforscher Dr. Eberhard Krienke, der Anfang der Neunziger die regionale Forschungsstelle für Niederdeutsch in der Uckermark begründete. Zum Jubiläum fasste er seine Erkenntnisse noch einmal zusammen und schlug den Bogen zum Heute. Illustriert wurde sein Vortrag durch plattdüütsche Riemels , Spegelsplitter ,Erinnerungen und Geschichten von den Vereinsfreunden. Sie erzählten von ihren Monatstreffen, den Platt-Abendkursen für Erwachsene oder die Schulkurse für Kinder, die Vereinsfreunde organisierten, von der Mundartkonferenz 2008 in Templin und von der Landesgartenschau in Prenzlau , zu der sie den Flyer ins Platt übersetzten und ein plattdeutsches Quiz beisteuerten .Musikalische Ständchen auf Platt brachte die Brüssower Singgemeinschaft . Bei aller Freude schlich sich aber Wehmut in die Runde, denn die Vereinsfreunde werden immer älter. Wie erfrischend darum die Kinder der Pestalozzi-Schule , die Doris Meinke in Platt unterrichtet, die munter selbstgeschriebene Geschichten auf Platt vortrugen. Ermutigend auch die Worte von Marianne Ehlers, die gerade bei jungen Leuten in Schleswig/Holstein ein wachsendes Interesse am Plattdeutschen registriert. Klar ist es auf die intensive Schulförderung durch das Land zurückzuführen, das seit 15 Jahren die Forderungen der europäischen Charta zum Erhalt von Regional- und Minderheitensprachen konsequent umsetzt. Platt vom Kindergarten bis zum Abitur! Es gibt zudem Schrifwarkstetten, Poetry-Slam up Platt mit dem Norddeutschen Rundfunk, Leedermakers und Hiphopper, die eben nicht in Englisch, sondern up Platt singen.

Derartiges hat Brandenburg längst nicht zu bieten. Immerhin hat der Verein für Niederdeutsch im Land einen 1. Kinderkreativwettbewerb ins Leben gerufen. Er wird am 9. Oktober 2015 um 14 Uhr auch im Kleinkunstsaal des Dominikanerklosters in Prenzlau in Form einer öffentlichen Lesebühne seinen würdigen Abschluß finden. Erwartet werden Teilnehmer aus Putlitz, Demertin , Templin und natürlich aus Prenzlau. Gäste sind herzlich willkommen!

Ein paar Tage später bekamen die Potsdamer Plattdeutsches um die Ohren. Die Berliner Muschelschubser zeigten im ältesten Potsdamer Haus, dem Museumshaus zum Güldenen Arm in der Elfleinstraße ein vergnügliches Stück auf Küsten-Platt. Die Erlebnisse der norddeutschen Krabbenfischerfamilie in der quirligen Großstadt an der Spree erntete im gut besuchten Haus viele Lacher und reichlich Applaus. Nochmals an dieser Stelle ein dickes Dankeschön von uns an die Muschelschubser!!! Die Speeldeel –Truppe ist schon bei der Arbeit an einem neuen Stück , eine Fortsetzung ist also möglich . Die plattdeutsche Lesebühne soll auf alle Fälle fortgeführt werden und zum Beispiel Plattschreibenden aus anderen Regionen eine Möglichkeit bieten, in der Landeshauptstadt aufzutreten.

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Hier noch eine Leseprobe Flämingisch Platt aus dem südlichen Brandenburg

De Liede häen dunnemoals immer jesecht, wenn de Wind äewa de Stoppel joaht, denne iss balle Haervest.

Doa häen däe Schnitter ook noch dat Korne met de Sense jehaun unn denne woarn de Pielen   von de Frouen tue Hocken upjestellt.

In Aujust woar dat Korne dräe'e un de Bure hett et met de Päerde injefoahrn.

De Tied woer nu ran, dat de Doare kortscher wärrn un dat Ärnefess koam.

Hiete isset allet andersch.

Met de Mähdrescher foarn se upt Feld un et jeoat allet ruck zuck. Doa is et Anfang Aujust schon allet passiert un det Körne is ook jleich jedroschen.

Awwer det Ärnefess jeppt et noch!

Däe olle Hoffmann von Fallersleben hät dat su jesecht:

                                              

                                                           Ärnefess

                        Däe Summer bliewet nich lange mäehr,

                        Däe Dach werd korter, de Nacht werd länger,

                        datt Korn is jemäet, datt Feld werd leer.

                        Et schwiejen schon däe Heede Sänger.

                        Doch ehr uns däe Summer janz verlott,

                        so jäebt et noch een freelich Feest.

 

                        Kiekt doa! Sey bräengen däen Äernekranz

                        mett bunte Bänger un Flittern.

                        Sey ielen alle tum freelichen Danz;

                        de Mäkens met däen Schnittern.

                        Un allet danzt un hopst, un allet juwelt

                        un singt: Juchheissa juchee!

                        De Ärne is väerbey.

 

( entnommen den Gedichten „Im Fläming“ von Günter Koppehele )

           

 

 

VERANSTALTUNGEN

Mo., 18. Dez., 12:00 Uhr
Platt in Schwedt