Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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Rundbreef Januar 2016

Leeve Frünn an Elv, Dosse, Stepenitz, Ucker un Oder!

Das neue Jahr nimmt Schwung auf und da wollen wir nicht nachstehen.

Beginnen wir beim Kyritzer plattdeutschen Freundeskreis, er will auch Mitglied unseres Landesvereins werden. Hier hat es einen Stabwechsel gegeben: Gabrielle Ellfeldt hält jetzt die Truppe zusammen. Fritz Neye ist weiter mit fast 85 Jahren voller Ideen dabei . Jetzt will er interessierten Neueinsteigern Platt för Ju –Nachhilfe anbieten. Da ist er wohl in der Kyritzer Carl-Diercke-Schule auf den Geschmack gekommen. Angret Thiele und er haben nämlich einen Projekttag zum Niederdeutschen gestaltet. Gleich vor 3 Teenager-Klassen!!! Doch jetzt freuen sich die Kyritzer Plattschnacker ersteinmal auf ihr jährliches Kniepertreffen am 4.Februar mit den Großderschauern in Lindenberg bei Pritzwalk.

Weiteren Zuwachs bekommt der Landesverein in der südlichen Uckermark . Hier schließt sich der Heimatverein an, in dem das Luunsche Platt gepflegt wird. Dafür hat der ehemalige Pfarrer Ludwig Parisius, der dort lange Zeit gelebt hat, ein eigenes Wörterbuch geschaffen. Mit dem hat Volker Otto Tubandt, der noch junge Vereinschef in seiner Schulzeit plattdeutsch gelernt – zumindest eine Zeit lang. Aber hier überlasse ich ihm selbst das Wort:

Weet´n ji a watt, wi lier´n luunschet Platt…

Lunow – ein 1000-Seelen-Dorf im Osten Brandenburgs, direkt an der Oder gelegen. Die Bewohner aus den Nachbarorten nennen uns scherzhaft „diä luunschen Kaakepötte“ und sie sind fest davon überzeugt, dass „Lunow ein Staat für sich“ ist. Es mag wohl daran liegen, dass wir – die Lunower – sehr eigensinnig und auf einer gewissen Art und Weise sehr besonders sind. Lange Zeit war das „Luunsche Platt“ die Alltagssprache der Dorfbewohner, doch ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Platt mehr und mehr verpönt und man versuchte zunehmend hochdeutsch zu sprechen, womit sich besonders die Älteren schwergetan haben. Scherzhaft sagt man zu diesen Leuten, die versuchen hochdeutsch zu reden: „diä spraach´n“. Hinzu kommt noch die Vermischung mit dem „Eberswalder Kanaldeutsch“. Heute ist vom „Luunschen Platt“ nicht mehr viel zu hören. Aber wer mit offenen Ohren über den Friedhof läuft oder mal die Gelegenheit hat im Wartezimmer der Ärztin zu sitzen, der wird sicher einmal in den Genuss dieser tollen Sprache kommen!

Bereits im Jahr 2002 erkannte der Lunower Heimat- und Museumsverein e.V. die Problematik mit dem Luunschen Platt. Kaum ein Jugendlicher konnte luunsch sprechen, ja und einige haben es kaum noch verstanden. J. Polack und D. Ladewig (Vorsitzende des Lunower Heimatvereins) ergriffen die Initiative und sind eine Kooperation mit der Lunower Grundschule eingegangen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt, als die beiden Männer bei uns im Unterricht „aufkreuzten“. Mit ihrer lockeren Art konnten sie viele Schüler für das Luunsche Platt begeistern. Und so kam es, dass sich ab Januar 2012 einmal wöchentlich etwa 10 Schüler aus der 5. und 6. Klasse zum Plattlernen getroffen haben. Für mich waren das immer sehr spannende Stunden, in denen wir besondere luunsche Begriffe lernten, Anekdoten hörten, zu bestimmten Plätzen im Dorf und in der Umgebung fuhren und als Krönung ein von J. Polack verfasstes Gedicht lernten – jeden Monat eine neue Strophe. Es ging so:

 

Weet´n ji a watt, wi lier´n luunschet Platt.

Herr Polack un Herr Loadewich

Diä helpen uns doabi.

Nu soäl ji ma schön staun´n

Balle köän´ wi et so as ji!

 

Wi lier´n nie´e Wöare

Un ook een kleinet Lied

Un uterdäm no Manchet

Wat näbenbi passiert.

 

Dänn hören wi Jeschichten

Upp Hochdütsch un upp Platt

Wat Menschen so verrichten

In´t Dörp un inne Stadt.

 

Un häm wie ook manchmoal

Dät Lieren alle satt,

dänn kieken wi uns diä Jäjend an

met´ Auto odder met´ Rad.

 

Met diä Schuele jeht´t to Enge

Un nu neähmen wi a an,

dät´t met unse platte Stünge

ne mier lange joan kann.

 

Doch wie die letzte Strophe des Gedichtes erahnen lässt, dauerte es nicht lange bis die Politik dem Plattunterricht ein Strich durch die Rechnung machte. Aufgrund rückläufiger Schülerzahlen hatte man noch im selben Jahr beschlossen, dass die Lunower Schule geschlossen werden soll. Lehrer, Eltern, Dorfbewohner, etc. schlossen sich zusammen und kämpften um den Erhalt unserer Schule – vergeblich! Wir Schüler mussten fortan nach Angermünde, Bad Freienwalde oder Eberswalde zur Schule fahren, das bedeutete auch, dass wir mindestens 1,5 Stunden pro Tag im Bus verbrachten. Somit blieb keine Zeit mehr für den Plattunterricht. Als Erinnerung an diese Zeit sind mir neben den schönen Gedanken auch ein „Schulzeugnis“ auf Platt geblieben, das jeder der Kursteilnehmer erhalten hat. Heute bin ich 25 Jahre alt und leite als Nachfolger von J. Polack seit mehr als 3 Jahren den Lunower Heimat- und Museumsverein e.V. Der Plattunterricht hat mein Bewusstsein für die Tradition unseres Ortes und unserer Sprache positiv beeinflusst. Mit meiner persönlichen Geschichte möchte ich Sie motivieren mit Ihren Kindern, Enkeln oder gar Urenkeln Platt zu sprechen. Erzählen Sie ihnen doch einfach eine Anekdote aus Ihrer Kindheit! Werden Sie aktiv und helfen Sie diesen besonderen Kulturschatz zu bewahren.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich

 

Volker Otto Tubandt     

 

 

 

VERANSTALTUNGEN

Mo., 18. Dez., 12:00 Uhr
Platt in Schwedt