Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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Zur Geschichte des Niederdeutschen in Brandenburg

Das Niederdeutsche (Märkische) in Brandenburg gehört zu der durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen anerkannten Regionalsprache Niederdeutsch in der BRD und besitzt neben grundlegenden Gemeinsamkeiten auch zahlreiche sprachliche Besonderheiten. Das Märkische grenzt im Norden an das Mecklenburgisch-Vorpommersche (zum Ostniederdeutschen gehörig), im Osten an das Polnische, im Süden an das Obersächsische (zum Ostmitteldeutschen gehörig) und Sorbische (zum Slawischen gehörig) sowie im Südwesten und Westen an das Ostfälische und Nordniedersächsische (zum Westniederdeutschen gehörig)
Nieder- kennzeichnet dabei zum einen die geographische Besonderheit des Raumes, nämlich flaches, niedrig gelegenes Land zu sein; zum anderen die sprachliche Besonderheiten des Gebietes, das im Gegensatz zum Hochdeutschen bestimmte Sprachentwicklungen nicht mitgemacht hat.

Bei der Bezeichnung Plattdeutsch (die oft gleichbedeutend mit Niederdeutsch verwendet wird) handelt es sich demgegenüber um die volkstümliche Entlehnung eines im Niederländischen aufgekommenen Sprachgebrauchs. Zugrunde liegt nl. plat, hier im Sinne von ‘einfach, deutlich, verständlich’. Die Übertragung des Ausdrucks Plattdeutsch auf das Niederdeutsche erfolgte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, wobei zu dieser Zeit die Bedeutung von platt in Abgrenzung zum Hochdeutschen negativ belegt war – Platt stand für eine niedrig-derbe Sprechweise. Diese Bedeutung ist seit dem 20. Jahrhundert aber weitgehend zugunsten einer neutralen Bewertung aufgegeben worden.
Die frühesten Anfänge der niederdeutschen Sprache in Brandenburg reichen weit in die Geschichte der Besiedlung des märkischen Sprachraumes zurück und lassen sich aus archäologischen Befunden sowie Resten slawischer Namen erschließen. Nachdem die seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert im Gebiet der späteren Mark siedelnden germanischen Semnonen nach Süden abgezogen waren, rückten über die Weichsel und Oder westwärts sowie aus Böhmen über die mittlere Elbe einwandernde westslawische Stämme ein und erreichten etwa um 600 die Elbe. Dass zwischen den zurückgebliebenen Resten germanischer Stämme sowie zwischen der einwandernden slawischen Bevölkerung durchaus auch friedliche Kontakte bestanden haben, davon zeugt die Übernahme heimischer Flussnamen. So finden sich seit der Zeit Karls des Großen in Chroniken und Urkunden Namen slawischer Gaue, die nach den Flüssen gebildet sind, an denen Stämme siedelten: Ukraner nach der Uker, Heveller nach der Havel, Sprewanen nach der Spree, Dosaner nach der Dosse. Andere benannten sich nach der Beschaffenheit des Bodens (Lusizi) oder nach dem Mittelpunkt des besetzten Gebietes (Lebuzzi, vgl. ebd.).

Auf slawische Besiedlung weisen des Weiteren Landschaftsnamen wie Barnim oder die im gesamten Gebiet der Mark Brandenburg häufigen slawischen Ortsnamen, wie: Berlin, Buckow, Köpenick, Beeskow u.a. hin.
Seit dem 10. Jh. begannen sowohl von deutschen als auch von polnischen Feudalmächten Versuche zur Unterwerfung der Slawen, die zunächst durch den großen Slawenaufstand von 983 beendet werden. Erst anderthalb Jahrhunderte später konnten allmählich erfolgreich linkselbische Siedler ins Land gerufen werden.
Die für die Entstehung des märkischen Niederdeutschen grundlegende Besiedlung beginnt also erst im 12. Jahrhundert, nachdem Albrecht der Bär, seit 1134 Markgraf der (altmärkischen) Nordmark, sich daran machte, die slawischen Gebiete östlich der Elbe mit deutschen Siedlern zu besetzen. Zwei große Siedelräume heben sich dabei heraus: die noch zersplitterten sog. „Alten Lande“, die die Prignitz, Ruppin, das Havelland und die Zauche umfassen, und die rund ein halbes Jahrhundert später, nun schon systematischer besiedelten Gebiete der „Neuen Lande“ östlich der Havel-Nuthe-Siedlung mit den Gebieten Teltow, Barnim, Uckermark und Lebus (vgl. Bretschneider 1962, 85).
Die Heimat dieser Siedlergruppen sah die ältere Forschung vor allem in Anhalt und dem Raum zwischen Elbe und Harz. Zunehmend wurde aber auch der Anteil niederländischer Siedler kontrovers diskutiert, gilt heute jedoch als gesichert (besonders im Fläming). Dass die Auswirkungen des frühen Siedlungsgeschehens insgesamt vorsichtig zu beurteilen sind, darauf verweist schon A. Bretschneider, die in den fehlenden sprachlichen Schranken (im Original gesperrt!) zwischen Alten und Neuen Landen einen Beweis sieht, „daß von der ältest erreichbaren Raumgestaltung der Siedelzeit im 12./13. Jahrhundert sprachlich kein erheblicher Nachklang, vielleicht sogar keine Spur mehr nachweisbar ist“ (Bretschneider 1962, 88).

Unbestritten ist jedoch, dass die Herausbildung des Niederdeutschen in Brandenburg das Ergebnis vielfältiger historischer, ökonomischer, kultureller und sprachlicher Einflüsse ist. So lassen sich sprachliche Besonderheiten innerhalb des Märkischen durch Entsiedlungen/Verwüstungen und Neubesiedlungen (vor allem im 14. Jh. und nach dem Dreißigjährigen Krieg), aus dem unterschiedlich starken Einfluss von Neusiedlern in einzelnen Gebieten (so z.B. der Hugenotten in der Uckermark, der Flamen im Fläming), der Bewertung des Niederdeutschen im Vergleich zum Hochdeutschen oder der Nähe bzw. Ferne zu Mecklenburg bzw. Berlin erklären. Auch die Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg u.a. mit den zahlreichen Neusiedlern aus den Gebieten östlich der Oder haben ihre Spuren hinterlassen.

Als grundlegende sprachliche Merkmale für das Niederdeutsche insgesamt gelten die Bewahrung der Konsonanten p, t, k, wo es im Hochdeutschen pf/ff, tz/ss, (und zumindest im Schweizerdeutschen kch) oder ch lautet: Im Niederdeutschen hat die sog. 2. Lautverschiebung (ca. seit dem 5. Jh.) also nicht stattgefunden, vgl. nd: up, Pund (hd. auf, Pfund); nd: Tid, Water (hd. Zeit, Wasser), nd. ik (hd. ich).
Ein anderer, vom 12. Jh. bis ins 16. Jh. reichender Sprachprozess – die Diphthongierung (Zwielautung) der langen Vokale i:, u:, ü: zu ei, eu, au – verstärkt den Gegensatz zwischen dem Niederdeutschen und dem Hochdeutschen. Hierbei handelt es sich wie bei der Lautverschiebung um einen Prozess, der sich allmählich vom südlichen Raum nach Norden ausbreitet, den niederdeutschen Sprachraum jedoch nicht erreicht. So stehen sich nd. und hd. Formen wie Hu:s und Haus, si:n und sein, Füer und Feuer gegenüber.

Während die Nichtdurchsetzung der 2. Lautverschiebung und der Diphthongierung für den gesamten niederdeutschen Sprachraum zutreffen (natürlich gibt es auch noch andere gemeinsame Merkmale), so finden sich innerhalb dieses gesamten niederdeutschen Sprachgebietes weitere Unterschiede im Lautstand, im Formen- und Satzbau sowie im Wortschatz, die eine weitere Untergliederung des Niederdeutschen ermöglichen.  So gilt z.B. das durch das Niederländische beeinflusste Wort det als spezifisches Abgrenzungsmerkmal des Märkischen gegenüber dem Mecklenburgischen, wo es (wie auch in den anderen niederdeutschen Gebieten) dat heißt, beide gehören jedoch gemeinsam zum Ostniederdeutschen. Innerhalb des märkischen Niederdeutschen unterscheidet die Forschung zwischen Nord-, Mittel und Südmärkisch oder (wenn der Raum südlich Berlins bereits ausgeklammert wird) zwischen Nord- und Südmärkisch. Wie vielfältig und kleinräumig darüber hinaus die sprachlichen Besonderheiten bis hin zu Varianten von Ort zu Ort sind, davon zeugt nicht nur das Berlin-Brandenburgische Wörterbuch, sondern zeugen vor allem die Sprecherinnen und Sprecher des Niederdeutschen, die diese Sprache aktiv am Leben erhalten.

Bretschneider, Anneliese (1962): Ist Brandenburg eine "passive Sprachlandschaft"?, in: Nd. Jahrbuch 85, 1962, 63-110

VERANSTALTUNGEN

Mo., 23. Okt., 10:00 Uhr
2.offene Kita-Paten-Werkstatt in Wittstock
 
Mo., 23. Okt., 14:00 Uhr
Plattrunn in Schwedt
 
Di., 24. Okt., 18:00 Uhr
Stammtisch Plattdeutsch in Wittstock
 
Mi., 1. Nov., 14:00 Uhr
Unnerwegens im Wegemuseum Wusterhausen
 

PLATT IN UNS KIRCH

5. Nov., 15:00 Uhr
Platt in de Kolonistenkirch Großdersschau