Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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För jeden wat up Platt in Strodehne

Traditionionelles Wintertreffen der Plattdüütschen im Westhavelland

Strodehne/Kyritz. "Nich vejäten: Platt räden!" Die Aufforderung stammt von Christa Grähn. Als sie vor einem Jahr 92-jährig starb, hinterließ die Mitbegründerin des Mundartzirkels in Großderschau ein Vermächtnis. Ihre Nachfolgerin Helga Klein hält das in Ehren und das Plattdeutsche im Gespräch - mit Plattdeutschfesten im Juni auf dem Kolonistenhof und beim traditionellen Wintertreffen der hiesigen Plattfreunde.  Viele Jahre kamen dazu die Freunde der niederdeutschen Sprache zum Knieper nach Lindenberg, 2017 gings erstmals nach Holzhausen bei Kyritz und am vergangenen Donnerstagnachmittag nun nach Strodehne. 

In der Gaststätte Heinrich fanden sich etwa 70 Frünn ein, um zu zeigen, dass die Mundart von Fritz Reuter und aus der Zeit der Hanse immer noch lebendig ist - und zwar generationsübergreifend. Die Jüngsten im Saal des altehrwürdigen Gasthauses sind gerade erst zur Schule gekommen, die Ältesten haben die 80 schon überschritten.

Renate Schwuchow (76) aus Strodehne staunte nicht schlecht, als sie das von ihrer Großmutter stammende "Plattdüütsch Billerbauk" von 1908 in gleicher Ausführung beim zehnjährigen Justin sah, ein Reprint des Hinsdorff-Verlages von 1981, das mittlerweile mehrere Nachauflagen erfahren hat. Im Nu kamen Jung und Alt ins Gespräch über "Dit und dat, för jeden wat", was auch noch zum Buchtitel gehört. Nach einem gemeinsamen Essen, das immer zu den Zusammenkünften im Winter gehört, folgten Lieder, Gedichte, Sketche und andere Vertellers. Mitgebracht hatten sie auch eine starke Abordnung aus Kyritz, angeführt von der Vorsitzenden des Freundeskreises der Plattdüütschen Gabriele Ellfeldt. Ebenfalls mit ins Haveldorf gekommen war Annemarie Ostermeier. Wenn sich eine der plattdeutschen Mundart verschrieben hat, dann ist sie das. Ihre Redebeiträge sind zumeist selbst ausgedacht - und immer originell. Hatte einer daran gedacht, dass Donnerstag Weiberfastnacht war und damit die närrische Saison begann? Sie ja.  Also stieg die treue Seele des Freundeskreises in die Bütt (die man sich denken musste) und trug gekonnt ein Loblied auf alle Großmütter vor. Die von Versmaß, Wortwahl und Witz her perfekt sitzende Büttenrede endete in jeder Strophe mit der Feststellung "... mal ganz ehrlich: ist eine Oma unentbehrlich", was die Runde blitzschnell als Chor aufnahm. Selbstverfasstes gab es ansonsten nur noch vom Geschwisterpaar Jasmin und Julian Jahns aus Putlitz, was zeigte: Platt kann auch Jugendliche begeistern.An guter Stimmung fehlte es jedenfalls nicht. Es wurde geschunkelt, wenn die plattdeutsche Gruppe aus Havelberg sang, herzlich gelacht bei den Sketchen der Putlitzer um Ulla Bernd  mitgesungen bei Darbietungen der Kyritzer Sängerinnen und Sänger.

   

Und natürlich bekamen André (7) und sein Bruder Justin (10) nach ihren Gedichten donnernden Applaus. Für die unermüdliche Organisatorin Helga Klein aus Großderschau ist klar, dass die Tradition der Treffen weitergeht und es im kommenden Winter wieder ein solches Fest gibt. Bis dahin hat Gültigkeit, was sie von Christa Grähn übernommen, zu einem Aufsteller verarbeitet und bei jeder passenden Gelegenheit dabeihat: "Nich vejäten: Platt räden."

Wolfgang Hörmann

VERANSTALTUNGEN

Do., 25. Okt., 17:00 Uhr
Platt in Prenzlau
 
Mi., 7. Nov., 13:30 Uhr
Plattdüütsch up de Ohr´n
 
Do., 8. Nov., 14:00 Uhr
Rheinsberger Platttreff
 
Do., 22. Nov., 17:00 Uhr
Platt in Prenzlau