Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

Newsletter

Melden Sie sich für unseren Newsletter an:

Platt is bi uns to hus,

das zeigten 20 Schüler aus Nordbrandenburg Anfang Oktober im Prenzlauer Dominikanerkloster. Zur ersten Brandenburger Platt-Lesebühne für Kinder und Jugendliche hatte unser Verein für Niederdeutsch in Brandenburg in den kleinen Veranstaltungssaal geladen und der war nicht zu groß gewählt.

Nele, Leonie, Pauline, Linda und Tom oder Max Luis, Franziska und Tobias – um nur einige zu nennen - waren aufgeregt , aber bestens vorbereitet . Die uckermärker Schöler spielten die Geschichte von Müsken und Mettwüsken, erzählten von Nudeln , de in Goarden stoan un ut de Erde gebuddelt warn oder dat Marchen vun de Prinessin up de Arften, de up twintig Duunbeddn nich schloapen kunnt. Plattdeutsche Gedichte von Erna Taege-Röhnisch waren zu hören oder von Max Lindow „Upn Höhnerhof“ . Sogar selbstverfasste Geschichten wurden auf Platt vorgetragen zum Beispiel vom Schwin Erwin oder wie schwer dat is, sich in Schweden vun Elch knutschn to loatn.

Dafür gab es nicht nur reichlich Applaus , sondern auch für jeden Teilnehmer ein Buch oder eine CD auf platt. Auch für ihre seit Jahren engagierten, ehrenamtlichen Trainer: Ulla Berndt, Angret Thiele, Annemarie Giegler und Gastgeberin Doris Meinke.

Ein vergnüglicher Nachmittag war es auch für das Publikum, das aus Prenzlau, Templin aber auch aus der Prignitz mit den Kindern angereist war. Eltern, Großeltern und Plattfreunde . 3 Stunden waren dafür die Prignitzer Kinder aus Putlitz und Demertin, mit dem Bus unterwegs – eine Tour! Gelohnt hat es sich für alle, war es doch die erste Gelegenheit, daß sich die jungen Plattschnacker mal mit einender messen und kennenlernen konnten. Das muß 2016 unbedingt fortgesetzt werden!

 

 

September-Rundbreef 2015

„Dat Adbeernest , dat is mal grünnt, dat wi uns doar tosammenfinnen, uns Muddersproak recht good to plägen, un nich bloß Hochdüütsch rumtoräden.“

Dieser Vers stammt aus einem Gedicht von Margit Mandelkow aus dem Verein Adbeernest Prenzlau, der am 11. September im ehemaligen Dominikanerkloster sein 20jähriges Bestehen feierte. Dabei handelt es sich keineswegs um Erdbeerfreunde, wie mancher Unkundige mutmaßen könnte. Der „Aodeboar“ ist der uckermärkische Storch, ein Symboltier der Region und darum vor 20 Jahren für die Plattschnacker an der Ucker bestens geeignet als Name für ihren Verein.

Jubiläumsgäste kamen aus der ganzen Uckermark, Sänger aus Brüssow ,sogar Staatssekretär Martin Gorholt ,SPD, Potsdam und Marianne Ehlers aus Bordesholm, Schleswig/Holstein waren angereist. Ein Verdienst vor allem von Sprachforscher Dr. Eberhard Krienke, der Anfang der Neunziger die regionale Forschungsstelle für Niederdeutsch in der Uckermark begründete. Zum Jubiläum fasste er seine Erkenntnisse noch einmal zusammen und schlug den Bogen zum Heute. Illustriert wurde sein Vortrag durch plattdüütsche Riemels , Spegelsplitter ,Erinnerungen und Geschichten von den Vereinsfreunden. Sie erzählten von ihren Monatstreffen, den Platt-Abendkursen für Erwachsene oder die Schulkurse für Kinder, die Vereinsfreunde organisierten, von der Mundartkonferenz 2008 in Templin und von der Landesgartenschau in Prenzlau , zu der sie den Flyer ins Platt übersetzten und ein plattdeutsches Quiz beisteuerten .Musikalische Ständchen auf Platt brachte die Brüssower Singgemeinschaft . Bei aller Freude schlich sich aber Wehmut in die Runde, denn die Vereinsfreunde werden immer älter. Wie erfrischend darum die Kinder der Pestalozzi-Schule , die Doris Meinke in Platt unterrichtet, die munter selbstgeschriebene Geschichten auf Platt vortrugen. Ermutigend auch die Worte von Marianne Ehlers, die gerade bei jungen Leuten in Schleswig/Holstein ein wachsendes Interesse am Plattdeutschen registriert. Klar ist es auf die intensive Schulförderung durch das Land zurückzuführen, das seit 15 Jahren die Forderungen der europäischen Charta zum Erhalt von Regional- und Minderheitensprachen konsequent umsetzt. Platt vom Kindergarten bis zum Abitur! Es gibt zudem Schrifwarkstetten, Poetry-Slam up Platt mit dem Norddeutschen Rundfunk, Leedermakers und Hiphopper, die eben nicht in Englisch, sondern up Platt singen.

Derartiges hat Brandenburg längst nicht zu bieten. Immerhin hat der Verein für Niederdeutsch im Land einen 1. Kinderkreativwettbewerb ins Leben gerufen. Er wird am 9. Oktober 2015 um 14 Uhr auch im Kleinkunstsaal des Dominikanerklosters in Prenzlau in Form einer öffentlichen Lesebühne seinen würdigen Abschluß finden. Erwartet werden Teilnehmer aus Putlitz, Demertin , Templin und natürlich aus Prenzlau. Gäste sind herzlich willkommen!

Ein paar Tage später bekamen die Potsdamer Plattdeutsches um die Ohren. Die Berliner Muschelschubser zeigten im ältesten Potsdamer Haus, dem Museumshaus zum Güldenen Arm in der Elfleinstraße ein vergnügliches Stück auf Küsten-Platt. Die Erlebnisse der norddeutschen Krabbenfischerfamilie in der quirligen Großstadt an der Spree erntete im gut besuchten Haus viele Lacher und reichlich Applaus. Nochmals an dieser Stelle ein dickes Dankeschön von uns an die Muschelschubser!!! Die Speeldeel –Truppe ist schon bei der Arbeit an einem neuen Stück , eine Fortsetzung ist also möglich . Die plattdeutsche Lesebühne soll auf alle Fälle fortgeführt werden und zum Beispiel Plattschreibenden aus anderen Regionen eine Möglichkeit bieten, in der Landeshauptstadt aufzutreten.

Hier noch eine Leseprobe Flämingisch Platt aus dem südlichen Brandenburg

De Liede häen dunnemoals immer jesecht, wenn de Wind äewa de Stoppel joaht, denne iss balle Haervest.

Doa häen däe Schnitter ook noch dat Korne met de Sense jehaun unn denne woarn de Pielen   von de Frouen tue Hocken upjestellt.

In Aujust woar dat Korne dräe'e un de Bure hett et met de Päerde injefoahrn.

De Tied woer nu ran, dat de Doare kortscher wärrn un dat Ärnefess koam.

Hiete isset allet andersch.

Met de Mähdrescher foarn se upt Feld un et jeoat allet ruck zuck. Doa is et Anfang Aujust schon allet passiert un det Körne is ook jleich jedroschen.

Awwer det Ärnefess jeppt et noch!

Däe olle Hoffmann von Fallersleben hät dat su jesecht:

                                              

                                                           Ärnefess

                        Däe Summer bliewet nich lange mäehr,

                        Däe Dach werd korter, de Nacht werd länger,

                        datt Korn is jemäet, datt Feld werd leer.

                        Et schwiejen schon däe Heede Sänger.

                        Doch ehr uns däe Summer janz verlott,

                        so jäebt et noch een freelich Feest.

 

                        Kiekt doa! Sey bräengen däen Äernekranz

                        mett bunte Bänger un Flittern.

                        Sey ielen alle tum freelichen Danz;

                        de Mäkens met däen Schnittern.

                        Un allet danzt un hopst, un allet juwelt

                        un singt: Juchheissa juchee!

                        De Ärne is väerbey.

 

( entnommen den Gedichten „Im Fläming“ von Günter Koppehele )

           

 

 

Sommer-Rundbreef 2015

Leeve Frünn an Ucker, Doss, Elv un Jäglitz,

Im Sommer haben die Wittstocker Plattsprecher nicht die Beine hochgelegt, sondern die Ärmel hochgekrempelt. Auf Anregung unseres Vereins trafen sich 13 Krankenschwestern und Pflegerinnen im Wittstocker Krankenhaus zum Workshop, um plattdeutsch zu lernen. Ziel ist es, sich mit älteren Patienten verständigen zu können. Das ist nicht nicht nur eine nette Geste, sondern oft auch unabdingbar. Gerade bei Demenz, bleibt Patienten nur das Platt als erster Muttersprache, um sich auszudrücken. Gut, wenn dann die Schwestern oder auch der Arzt verstehen oder reagieren können. Die KMG-Kliniken haben darum mit dem Verein für Niederdeutsch in Brandenburg im Kulturbund das Projekt: „Platt in der Pflege“ initiiert. Dafür hat der Niederdeutsch-Stammtisch der Volkshochschule ein kleines Platt-Wörterbuch erarbeitet, das Krankenschwestern und Medizinern ergänzend im Alltag helfen soll.

IN Prenzlau ist Doris Meinke ins Sachen Platt in der Pflege mit dem Pflegeheim und einem Pflegedienst im Gespräch. Parallel dazu kümmert sie sich um den Nachwuchs. Erstmals gibt es dank Ihres Einsatzes im traditionellen Uckermärkischen Jugendliteraturwettbewerb auch eine plattdeutsche Sparte. Ein Sonderpreis winkt. Regelmäßig ist sie auch Plattdüütsch schnackend im privaten Uckermark TV zu erleben.

Niederdeutsche Literatur von Fritz Reuter bis Ernst Stadtkus hat neuerdings einen Platz in der Wittstocker Stadtbibliothek. Die Sammlung stiftete der pensionierte Lehrer Wolfgang Wilcke , der in Parchim mit Plattdeutsch aufgewachsen ist und im Lauf seines Lebens reichlich niederdeutsche Literatur zusammengetragen hat.

Wer im Urlaub aufmerksam ist, wird auch in Sachen Plattdeutsche Literatur fündig, zumindest wenn man nordwärts Richtung Nord- und vor allem Ostsee unterwegs ist. Auf dem Darß bieten zum Beispiel die Darß-Festspiele auf der Freilichtbühne Born immer eine Plattdüütsche Variante ihrer aktuellen Stücke an. In diesem Jahr ist es zum 3. Mal eine vergnügliche Inszenierung nach Ehm Welks „ Die Heiden von Kummerow“, in der Mecklenburger Kinder munter Platt schnacken.

Auch unterwegs trifft man im Alltag auf Platt, wie hier in Röbel.Schön, wenn sich ähnliches auch bei uns im Brandenburgischen finden ließe.

Hier noch ein Tipp für die Nach-Urlaubszeit in Potsdam.   Am 20. September stellen die Berliner Muschelschubser ihr selbstverfasstes Plattdüütsches Stück   im Haus zum Güldenen Arm vor.

Gute Erholung und sonnige Sommertage wünscht

Astrid Flügge

 

 

 

 

 

 

 

VERANSTALTUNGEN

Di., 15. Sep., 18:00 Uhr
Wittstocker Stammtisch der VHS
 
Di., 29. Sep., 18:00 Uhr
Wittstocker Stammtisch der VHS
 
Di., 13. Okt., 18:00 Uhr
Wittstocker Plattdeutscher Stammtisch an der VHS
 
Di., 27. Okt., 18:00 Uhr
Wittstocker Plattstammtisch der VHS
 

PLATT IN UNS KIRCH

16. Aug., 10:00 Uhr
Platt in der Ribbecker Kirch
 
16. Aug., 15:00 Uhr
Coronabedingt ausgesetzt Plattdeutscher Gottesdienst in Sewekow
 
30. Aug., 10:00 Uhr
Platt in der Bechliner Kirche