Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

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Plattdeutsch als Kulturerbe

In diesem Jahr wird europaweit unser kulturelles Erbe gefeiert: die Preußischen Schlösser widmen sich der Tischkultur, Berlin fokussiert die Industriekultur, in Nürnberg werden die Fernhandelsstraßen betrachtet und Glocken sollen zum Weltfriedenstag im September in ganz Europa läuten, um an das Ende des 1.Weltkrieges zu erinnern. Was aber ist mit dem, was uns unsere Altvorderen hinterlassen haben, das nicht mit den Händen zu greifen ist:das immaterielle Kulturerbe - die Regionalsprache Plattdüütsch. Unser Vereinsmitglied Pastor Dietrich Wegmann hat sich darüber Gedanken gemacht. Telschet Platt – wat is dat? Das war bis 1930 die Umgangssprache auf den Dörfern

im größten Landkreis des deutschen Reiches. Der Germanist Dr. Lademann (Jühnsdorf) und sein Vetter Dr. Krüger (Agronom in Diedersdorf gest.2005) haben es in ihren letzten Jahren festgeschrieben. Viele bei uns, auch anderes Platt sprechende Leute verstehen und lieben es bis heute. Plattdüütsch ist kein Dialekt des Hochdeutschen, sondern das in Nordeutschland als Sprache der Hanse verbreitete „Sassisch“. Die Engländer nennen es „Dutch“. So sprach Kaiser Karl V. Der lebte in Spanien, war aber auch Herr der habsburgischen Niederlande. So redete er, fest der Meinung, dass es „Deutsch“ sei, auf den Reichstagen zu den deutschen Fürsten. So sprach man auf Luthers Grundschule in Eisleben und lernte es kennen, obwohl er von den Eltern her thüringisch sächselte. So verbreitete sich die Reformation im Norden Europas durch den „Dr. Pomeranus“, der war schon Rektor einer Prämonstrateser-Klosterschule in Pommern und wanderte dennoch zur Universität Melachthons und Luthers nach Wittenberg, um reformatorisch nach zu studieren. Weil Luther aus seinen Kindertagen wusste, was Bürger einer Stadt mit niederdeutschem Namen brauchen, hielt er Johannes Bugenhagen als Stadtpfarrer für Wittenberg fest. Dessen plattdeutsche Schriften und Kirchenordnungen haben den Lauf der Reformation im Norden Europas bestimmt. Es gab einen starken Aufschwung sassischer Literatur durch das beginnende Schulwesen und die aufstrebenden Buchdruckereien. Eine nur kurze Blütezeit!

Im 30jährigen Krieg ging mit der Hanse auch ihre von London bis Nowgorod geschriebene Amtssprache verloren. Zweihundert Jahre gab es keine Drucke mehr, sondern nur noch gesprochene Alltagssprache. Die vielen aus Süddeutschland vertriebenen Pfarrer machten das Luther-Bibeldeutsch zur Norm in den jahrzehntelang ausbildungsarmen Landkirchen des Nordens. Es gab keine plattdeutschen Predigten und Gesänge mehr. Die Sprache in Werkstätten und auf den Feldern wurde im 17.Jahrhundert abschätzig als „plattes Deutsch“ bezeichnet und in Schulen und Kirchen verpönt. Wie immer und überall schwerer Kulturverlust durch den Krieg!

Literarische Blütezeit für Platt im 19.Jahrhundert

Fritz Reuter, Klaus Groth, John Brinkmann sind zu nennen, ja, auch Fontane: Er hat neben Deutsch, Französisch und Englisch auch Plattdeutsch geschrieben, so wie es auf dem Schulhof des Gymnasiums in Neuruppin gesprochen wurde. Die schönste deutsche Ballade ist von ihm – ihre drei Höhepunkte sind Literatur-Plattdeutsch: der Gutsherr ruft Dorfkinder „up Platt“, um Birnen zu verschenken, und an seinem Trauerzug klagen sie: „He is dod nu, weckeen gifft uns nu ne Beer?“ Auch der märkische Landmann in Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ redet stets Platt. Für einige Zeit wird diese Sprache ein beliebtes Stück Heimatkultur. Als es Radio und Fernsehen, ja auch elektrisches Licht noch nicht gab, so um 1900, wurde in Familien gern und viel Fritz Reuter(gest.1872) gelesen. Platt war plötzlich nicht mehr minnachtiges Schmähwort sondern anerkannte Literatursprache. Aber mit diesem Aufleben kamen auch strenge Bestimmungen im deutschen Kaiserreich: In Schulen und im Heer war Platt verboten. Nur der Admiral der Marine konterte: „Ohne Platt gibt es Chaos auf den Schiffen – alle unsere Kommandos stammen aus der Segelschiffzeit!“ Der Marinefan Wilhelm II. konnte allen deutschen Jungen Kieler Matrosenanzüge verordnen, aber Tirpitz – ein Schwabe- rettete für die Marine das Platt. So blieb es an der Küste bis heute länger erhalten. Das hat mit unserem Telschen Platt zu tun!

Auch bei uns hatten die Männer auf den Feldern und in den Werkstätten immer Platt bewahrt – im Gegensatz zu den Mädchen, die in der Schule meist besser waren, anschließend ja „in Stellung gingen“, bei den feinen Familien in der Stadt nicht auffallen wollten und lieber mir und mich (Platt immer mi) verwechselten. Nun kamen die Männer nach Jahren aus dem Militärdienst zurück und hatten durch das Plattverbot in der Armee mehr Übung im Hochdeutsch erlangt. „Polterplatt“ hieß es nun abwertend wie im Militär auch in der Schule und im Umgangston. Bei uns in Ragow starb 1987 die Letzte, die viel redete in dieser geliebten Sprache ihrer Kindheit. Leute, die Platt sprechen, singen oder schreiben gibt es immer noch im Land Brandenburg. Regelmäßig wird „Plattdüütsch in uns Kirch“ da und dort gepredigt. Seit gut drei Jahren wirkt ein „Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg“ von Menschen aus Kreisen des ehemaligen Kulturbundes der DDR getragen, sehr aktiv mit Plattunterricht für Pflegepersonal und Platt-Lesewettbewerben für Schüler. PLATTDÜÜTSCH IS VÖRBI? DAT GLÖÖW MAN JA NICH!

Neues Niederdeutschsekretariat unterstützt Plattsprecher bundesweit

Das Jubiläum „25 Jahre Sprachencharta“ brachte für die niederdeutsche Sprechergruppe 2018 eine deutliche Stärkung: Der Bundesraat för Nedderdüütsch hat zur Unterstützung seiner sprachpolitischen Arbeit ein Niederdeutschsekretariat erhalten. Es wird vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat finanziert wird und hat zum Jahresbeginn seine Arbeit in Hamburg aufgenommen. Im Rahmen eines Empfangs in der Berliner Vertretung des Landes Schleswig-Holstein beim Bund wurde das Sekretariat am 12. April 2018 der politischen Öffentlichkeit vorgestellt.

Als besonderen Gast konnte die Sprechergruppe den neuen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Bernd Fabritius begrüßen. Seine erste Amtshandlung führte ihn damit zu den Niederdeutschen. „Dem Bundesrat für Niederdeutsch und dem Niederdeutschsekretariat kommt… eine wichtige Rolle zu. Ihnen obliegt es, die sprachpolitischen Interessen der Sprechergruppe vor allem gegenüber den zuständigen Ansprechpartnern in den Regierungen und Parlamenten aktiv zu vertreten, damit diese Interessen gehört und berücksichtigt werden und alle Akteure das ihnen Mögliche zum Erhalt und zur Pflege der niederdeutschen Sprache beitragen.“  Christiane Ehlers, die Leiterin des Niederdeutschsekretariats betonte die Bedeutung des Bildungsbereiches für die niederdeutsche Sprache. „Plattdüütsch is en Spraak, för de wi instaht. Un dat doot wi ok. Mit veel Knööv un Toversicht.“

Termine:

21.April 2018 Hamburg   2. Hamborger Plattdüütschdag

Zum 2. Mal dreht sich in Hamburg einen Tag lang alles um die niederdeutsche Regionalsprache. Organisiert vom Plattdeutschen Rat der Hansestadt gibt es über 30 Veranstaltungen, auf denen nur Platt gesprochen wird: Führungen durchs Hamburger Rathaus, Rundgänge durch den Tierpark Hagenbeck oder den Ohlsdorfer Friedhof. Das genaue Programm ist zu finden unter www.platt.hamburg.de

5.Mai 2018 10 Uhr Wittstock OT Sewekow

 In der Prignitzgemeinde lernen seit einem Jahrzehnt Kinder plattdeutsche Gedichte und Lieder. Das 10jährigen Bestehen der Kinnerschool in Saewkow wird am Vormittag mit den heute lernenden und ehemaligen Schülern gefeiert.

3.Juni 2018 Rostock, Botanischer Garten 10-17 Uhr

In Rostock gibt es im Botanischen Garten eine ganze plattdeutsche Woche. Ein Höhepunkt dürfte der 5. Plattdütsch-Bäukerdag werden. Er wird in Kooperation mit dem Plattdütsch-Verein Klönsnack-Rostocker 7 e.V. und dem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern organisiert.

 

VERANSTALTUNGEN

Mo., 23. Jul., 15:00 Uhr
Potsdamer Plattrunn
 
Do., 26. Jul., 17:00 Uhr
Platt in Prenzlau
 
Do., 9. Aug., 14:00 Uhr
Rheinsberger Platttreff
 
Do., 23. Aug., 17:00 Uhr
Platt in Prenzlau
 

PLATT IN UNS KIRCH

28. Jul., 14:00 Uhr
Plattdeutscher Gottesdienst in Kletzke
 
29. Jul., 14:00 Uhr
Plattdeurtscher Gottesdienst in Quitzöbel
 
3. Okt., 14:30 Uhr
Plattdeutscher Gottesdienst in Liebenberg