Trauer um Vereinsmitglied Ulla Berndt aus Putlitz
Eben stand sie noch vor uns: Konzentriert trägt sie das von ihr ins Plattdeutsch übertragene Brecht-Gedicht vor. Nun ist Ulla Berndts Stimme für immer verstummt. Ein tragischer Unfall riss die 82-Jährige am Donnerstag, 5. Februar 2026, aus ihrem Leben.

Vereinsmitglied Ulla Berndt ist verstorben.
Die Plattfreunde in Brandenburg sind tief betroffen und traurig, eine verlässliche Mitstreiterin verloren zu haben. Ulla Berndt aus Putlitz (Prignitz) war ein plattdeutsches Urgestein. Sie gehörte 2014 in Wittstock/Dosse zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für Niederdeutsch im Land Brandenburg. Bereits viele Jahre zuvor hatte sich Ulla Berndt als Einzelkämpferin im Nordwesten Brandenburgs engagiert.
Hartnäckig, aufrichtig und mitunter streitbar, dabei stets mit ihrem Anspruch, etwas für die Regionalsprache Niederdeutsch zu bewegen.
Viele Jahre folgte Ulla Berndt ihrer inneren Berufung, Kindern in Putlitz Plattdeutsch zu vermitteln. Pfarrer Gottfried Winter (1937 bis 2020) aus Groß Breese, der seit Ende der 1980er Jahre die Kirchen der Prignitz mit plattdeutschen Predigten füllte, gab ihr damals den Anstoß. In Sorge um Plattdüütsch - die alte märkische Muttersprache, die immer weniger zu hören war. Das war auch Ulla Berndt aufgefallen. Nun lernte sie mit dem Putlitzer Herbert Dannehl das Prignitzer Platt. An der Grundschule in Putlitz fand sie Kinder, die Plattdeutsch lernen wollten und Eltern, die das unterstützten. Lange war sie eine Einzelkämpferin. Dann fand Ulla Berndt Partner an der Universität Magdeburg, so dass ihre Platt-Kinner regelmäßig bei plattdeutschen Lesewettbewerben in Sachsen-Anhalt auftreten konnten. Mehrfach erfolgreich.
2014 gründete sich in Wittstock/Dosse der Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg – Ulla Berndt war dabei. Sie fuhr mit ihren Platt-Schülern zu plattdeutschen Wettbewerben nach Potsdam und Wittstock, besuchte jede Mitgliederversammlung, Weiterbildung und Exkursion. Jahr für Jahr war sie mit Plattdeutsch eine feste Größe an der Grundschule in Putlitz. Daneben mobilisierte sie Prignitzer für plattdeutsche Lesungen im Rathaus und in der Schule, kümmerte sich um die Plattdüütsch-Eck in der Stadtbibliothek und die plattdeutschen Gottesdienste in Putlitz. Hinzu kamen regelmäßig plattdeutsche Auftritte ihrer Plattkinner im Museum in Blüthen oder bei der Verleihung des Putlitzer Literaturpreises der 42-Autoren.
Wer wird in Putlitz in ihre Fußstapfen treten?
Text und Bild: Astrid Flügge
