Digitaler Niederdeutsch-Atlas für Brandenburg

Das Projekt „Digitaler Niederdeutsch-Atlas für Brandenburg (DiNA-BB)“ ist gestartet: Seit dem 1. April 2026 werden die Anfang der 1960er Jahre erstellten Dialektaufnahmen aus Brandenburg wissenschaftlich ausgewertet.

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Projektleiterin Prof. Dr. Ulrike Demske (r.) und die durchführende wissenschaftliche Projektmitarbeiterin Dr. Luise Czajkowski.

Das Vorhaben wird als zentrale Maßnahme zum Schutz und zur Förderung des Niederdeutschen vom Land Brandenburg finanziert. Erarbeitet wird es im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Potsdam (Brandenburgisch-Berlinisches Spracharchiv / Institut für Germanistik, Prof. Dr. Ulrike Demske) in Kooperation mit Universität Marburg (Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, Prof. Dr. Hanna Fischer).

Öffentlich vorgestellt wurde das Projekt zuletzt auf dem Potsdamer Tag der Wissenschaften am 9. Mai 2026 auf dem Campus Golm der Universität Potsdam.

Vielfalt niederdeutscher Dialekte in Brandenburg

Ziel des Projektes ist es, die einst große Vielfalt der brandenburgischen Dialekte in Karten sichtbar machen. Für ein enges Ortsnetz in ganz Brandenburg wird dazu im DiNA-BB der Sprachstand von drei Generationen (ehemals junge, mittelalte und alte Sprecher*innen) analysiert. Wo haben die Menschen zu Milch „Melk“ und wo „Mülsch“ gesagt? Wo sagten sie zu Mädchen „Deern“ und wo „Mäken“? Die Karten werden in ausführlichen Kommentaren erläutert, wozu auch ältere Dialektaufnahmen aus der Zeit um 1900 zum Vergleich herangezogen werden. Außerdem wird der DiNA-BB als „klingender Sprachatlas“ Hörproben des Niederdeutschen in Brandenburg bieten. Durch diese mehrdimensionale Anlage wird der DiNA-BB zu einer zentralen Forschungsressource und zur Basis für den Wissenstransfer in Schule und Öffentlichkeit: Die  Ergebnisse des Projektes werden für alle online zugänglich sein.

Tondaten jahrzehntelang unzugänglich im Archiv

Die Tonaufnahmen sind im Rahmen eines wissenschaftlichen Großprojektes entstanden, das 1952 auf Initiative des Neurologen und Phonetikers Eberhard Zwirner zunächst in der Bundesrepublik angestoßen wurde (die Geschichte erzählt ausführlich Klaas-Hinrich Ehlers). Bis auch in der DDR die Bereitschaft zur Durchführung eines solchen Projektes vorhanden war, vergingen aber noch einige Jahre. Ab Herbst 1960 begannen die Aufnahmen zunächst im Vogtland und im Erzgebirge, ab 1961 folgte auch Brandenburg. Ziel war es, die deutschen Dialekte insgesamt zu erforschen; die Ergebnisse sollten unmittelbar in die regionalen Wörterbücher fließen, die an verschiedenen Standorten erarbeitet wurden, wie z. B. das Brandenburg-Berlinische Wörterbuch in Potsdam. Aufgenommen wurden dazu Sprecher*innen, in deren Familie noch Dialekt gesprochen wurde. Sie erzählen auf den Aufnahmen über Alltägliches wie Landwirtschaft, Haushalt oder auch Familienfeste. Die Sprecher*innen sollten aber auch einen festen Text in den ortsüblichen Dialekt übertragen, damit man die Dialekte besser miteinander vergleichen konnte.

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Die originalen Tonbänder von Anfang der 1960er Jahre.

Doch während in der alten Bundesrepublik diese Daten ausführlich ausgewertet wurden, verschwanden die Tonaufnahmen aus der DDR bald in den Archiven. Kopien der Bänder wurden erst in den vergangenen Jahren durch die Aufnahme der Daten in das Archiv für Gesprochenes Deutsch des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache zumindest für die (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich. Derweil lagen die Originalbänder unter ungünstigen Bedingungen über Jahrzehnte, teilweise in Tüten eingelagert im Brandenburg-Berlinischen Spracharchiv.

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Die Originalbänder der Tonaufnahmen. 

Als im Herbst 2025 deutlich wurde, um welche Aufnahmen es sich hier handelt, ging alles sehr schnell: In Kooperation mit Prof. Dr. Hanna Fischer vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas der Universität Marburg, die schon die Auswertung der mecklenburgischen DDR-Korpus-Daten im Projekt „Digitaler Niederdeutsch-Atlas für Mecklenburg-Vorpommern“ vorangetrieben hatte und die ebenfalls Projektleiterin des DiNA-BB ist, konnte binnen weniger Monate über die Berlin-Brandenburgische Akademie ein Projektantrag beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg eingereicht werden. Vor dem Hintergrund des 2024 in Kraft getretenen Brandenburgischen Niederdeutsch-Gesetzes (BbgNdG) wurde dieser Antrag dann auch bewilligt. Die Startfinanzierung währt zunächst bis Ende 2026. Das Projekt ist insgesamt aber auf drei Jahre angelegt. Neuigkeiten zum Projekt können jederzeit auf der Projekt-Homepage abgerufen werden.

Text: Dr. Luise Czajkowski

Bilder: Dr. Luise Czajkowski (2), Christamaria Ruch (1)

gefördert mit
land brandenburg mwfk

VERANSTALTUNGEN
Di., 2. Juni., 18:00 Uhr
VHS Stammtisch Plattdeutsch Wittstock
 
Mi., 3. Juni., 14:00 Uhr
Potsdamer Plattrunn
 
Sa., 6. Juni., 14:00 Uhr
„Bi uns to Hus – die Welt von Max Lindow“ Eröffnung der Ausstellung in Templin
 
Mi., 10. Juni., 14:00 Uhr
Treffen der Kyritzer Plattsnacker
 
PLATT IN UNS KIRCH
14. Juni., 14:00 Uhr
Platt in der Kirche in Groß Breese
 
20. Juni., 14:00 Uhr
Platt in der Kirche in Lindenberg
 
21. Juni., 14:00 Uhr
Platt in der Kirche in Quitzöbel