Platt in Brandenburg

Wo man in Brannborch Plattdüütsch snackt

Melden Sie sich für unseren Newsletter an:

Rundbreef April 2015

 

Leeve Plattschnacker un Verteller!

 

Die Frühjahrswochen locken mit gutem Reisewetter und führten auch mich in den Fläming und in die Uckermark zu Plattsprechern.

Zunächst ging es mit Wolf-Dieter Boche in den Fläming nach Niedergörsdorf. Hier krönte der Heimatverein seine Jahresversammlung mit einem plattdeutschen Programm, das aus dem traditionellen Platt-Quiz und einer amüsanten Lesung bestand. Neben traditionellen Texten begeisterten Brita Hannemann und Karl-Heinz Niendorf durch Übertragungen von Loriot-Sketchen , die ins Flämingisch übertragen waren!

In Berlin-Neukölln treffen sich seit 5 Jahren die Muschelschubser, meist im Broschek, einer Szene-Kneipe, um 14täglich platt zu schnacken. Die meisten kommen aus einem norddeutschen Bundesland und freuen sich einfach, mal wieder heimatliches Platt zu hören und zu sprechen. Auch einige Neueinsteiger sind dabei, um Niederdeutsch ganz diszipliniert zu lernen. Darüber hinaus beteiligt sich die muntere Truppe auch am Stadtteilleben zum Beispiel dem Strohballenrennen im Herbst (Foto auf unserer Website). Im Mai führen sie sogar ein plattdeutsches Theaterstück auf, das sie selbst geschrieben haben. Klappt alles gut, werden es im Herbst auch die Potsdamer im „Haus zum Güldenen Arm„ erleben.

In Potsdam traf sich jetzt auch der Vereinsvorstand, um über weitere Aktivitäten zu beraten. Die reichen von der Plattfibel bis zum Niederdeutsch in der Altenpflege und in der Landespolitik. Auch das Vereins-LOGO war ein Thema. Wir planen einen Workshop für alle, die Plattdeutsch Kindern nahebringen und einen Wettbewerb für lütte Plattschnacker. In Prenzlau wurde der Jugendliteraturwettbewerb jetzt um eine plattdeutsche Sparte erweitert.

Letzte Station: Schwedt. Hier trifft sich seit Jahren mit „De Plattfisch“ eine stabile Gruppe im Kulturbundhaus neben dem Theater, um miteinander platt zu sprechen. Sie sind sehr interessiert am Landesverein für Niederdeutsch und werden weiter mit uns verbunden bleiben. An der Oder gibt es noch weitere Freunde des Plattdeutschen. Von den Lunowern hatten wir bereits Nachricht – sie gestalten unter anderem Heimatabende mit einer Plattdeutschen Hochzeitsmoritat. Jetzt meldete sich eine weitere Gruppe aus Hohensaaten, die sich seit Jahren trifft und die von uns gehört hat. Sie möchte Kinder im Ort für das Hohensaatener Platt gewinnen. Wir konnten sie zunächst mit Arbeitsmaterial und der Plattfibel unterstützen.

 

 

 

 

 

Rundbreef Juni 2015

Viel Applaus gab´s beim 1. Großderschauer Plattfest am 14. Juni bei der Brandenburger Landpartie, denn soviele verschiedene Plattschnacker sind selten zusammen. Aus Putlitz, Kyritz ,Sewekow und sogar aus Havelberg und der Börde waren Freunde des Niederdeutschen angereist, um zu zeigen, daß die Regionalsprache lebendig ist. Der Kolonistenhof mit seinem Bauerngarten, historischen Ackergeräten und dem Ladencafé bot die passende gastliche Kulisse. Im Festzelt reichten die Plätze nicht für alle, aber Petrus hatte ein Einsehen und so wurde niemand bei dem dreistündigen Programm nass. Gastgeberin Helga Klein vom Großderschauer Mundartzirkel gab den fröhlichen Einstand, Nestorin Christa Grähn ergriff das Wort und farbenfroh und tanzfleißig zeigten sich die Bördegäste. Vergnügliches steuerten die Kyritzer Plattschnacker bei und die Schüler von Ulla Berndt aus Putlitz zeigten, daß auch Kinder heute Spaß am Platt reden haben können (Wenn denn Schulen und Lehrer dies zulassen).Musikalisch mit von der Partie war die im Brandenburgischen einzige plattdeutsche Singegruppe aus Havelberg, die zum Mitsingen animierte und für´s Nachhören daheim auch ihre neue CD dabei hatte. Da freut man sich doch schon auf das 2. Plattfest der Großderschauer!

An dieser Stelle wollen wir unsere Großderschauer Jubilarin gesondert würdigen:

Gratulation zum 90. Geburtstag sagen wir Christa Grähn im Namen des Vereins für Niederdeutsch in Brandenburg! Seit mehr als einem Vierteljahrhundert schart, die immer noch rüstige Nestorin die Plattschnacker im Havelland um sich und hält Kontakte zu den Prigitzern und auch den Uckermärkern. Sie hat die Heimat noch auf der Zunge und damit Anteil daran, daß die Regionalsprache im Havelland noch zu hören ist. Möge sie noch lange mit uns platt schnacken.!

Unter den Gästen des Plattfestes in Großderschau war auch Bundestagsabgeordnete Dr.Kirsten Tackmann . Sie unterstützt aktiv unser Anliegen, das Plattdeutsche in Brandenburg zu erhalten und lud in dieser Sache auch zum 2. Parlamentarischen Stammtisch nach Wittstock ein. Mit dem Verein ist jetzt ein wichtiger Schritt vollzogen worden, die Regionalsprache zu bewahren. Auch das Bekenntnis der Stadt Wittstock dafür ist lobenswert, jetzt gilt es Mitglieder zu werben und vor allem für Nachwuchs bei den Plattsprechern zu sorgen. Einen Anfang machen Prignitzer und Uckermärker Plattschacker in Demerthin, Putlitz, Sewekow, Breese und Prenzlau, und bieten nachmittags Platt-Stunden an den Schulen bzw Kitas an. Mit einem Schülerkreativwettbewerb unterstützen wir ihr Engagement. Er wird im Oktober in Prenzlau seinen Abschluß finden. Außerdem organisieren wir einen Workshop für die Platt-Lehrer, die sonst als Einzelkämpfer nur wenig Entgegenkommen in den Schulen finden.

Hier noch eine Leseempfehlung:

Regenbogen, regn mi nich natt,

regn all die Klüsser Kinner natt!

De sitten up´n Dach un äten wat

Un gewn mi keenen Happen af.

Diesen Kinderreim habe ich beim Durchblättern des Prignitzbuches gefunden, das der Hinstorff Verlag 1991 herausgebracht hat. Es ist die einzige heutige Sammlung von Texten über die ganze Prignitz, die auch niederdeutsche Texte enthält. Das Prignitzlied von Hermann Graebke gleich zu Beginn ist nicht sein einziges . Plattdeutsche Gedichte und Geschichten gibt es auch von Carl Fürböter und Ludwig Lehmberg und unserem heute noch fleißigen Platt-Pastor aus Bad Wilsnack Gottfried Winter. Zu bekommen ist das Buch aber nur noch antiquarisch – ISBN 3-356-00398.

Beim Havelberger Heimatverein ist die 2. CD der plattdeutschen Singegruppe „Uns Platt is ok noch wat“ erhältlich.

 

 

 

 

Rundbreef Februar 2015

Leeve Plattschnacker inn Brannenborch!

Es ist schön, daß sich immer wieder Plattsprecher bei uns melden . Gerade kam von Volker Otto Tubandt  Post. Er lebt in Lunow an der Oder und hat als Kind Luunsches Platt kennengelernt, jetzt engagiert er sich im Heimatverein dafür, daß es auch weiter gesprochen wird. Zum Beispiel führt er zusammen mit anderen Laiendarstellern "De luunsche Hochziet" auf - das ist die 37strophige Geschichte einer Vermählungsfeier von 1702. Zu sehen ist das in Auszügen am 14. Februar um 18 Uhr 30 im RBB.

Gemeldet haben sich auch unsere Großderschauer Freunde . Sie haben gerade eine CD mit Christa Grähn herausgebracht, der Nestorin der Plattgruppe im Kolonistenort. Ihr Jahreshöhepunkt wird ein Heimatfest im Juni sein. Helga Klein lädt im Namen des Museums Kolonistenhof am 14. Juni zum Plattdeutschen Tag ein. Das Programm wird bei den Terminen nachzulesen sein. Auf alle Fälle wird auch der Havelberger Chor erwartet. Das Ensemble ist sei 17 Jahren sehr eifrig dabei, auch palttdeutsche Lieder zu singen. Vor allem in der Westprignitz sind sie oft zu hören, schließlich ist Havelberg eine Prignitzstadt mit Prignitzmuseum im Dom. Leider hat die Länderbildung das 1990 nicht berücksichtigt. Jetzt aber bringt uns die Havel-BUGA wieder zusammen - natürlich auch mit neuen Plattdeutschen Liedern und einer neuen CD. Danke an Rotraud Stock, die uns auf dem Laufenden hält.

In Prenzlau freuen sich die Freunde vom Adbeernest auf ihr Jubiläum im September. Am 11.9.2015 feiern die Plattfreunde ab 15 Uhr ihr 20 jähriges Bestehen im Dominikanerkloster. In Potsdam haben wir angefangen, mit Plattsprecher der Landeshauptstadt in Kontakt zu kommen. Im März ist unser 2. Treffen.

Es gibt also einiges im Kalender zu vermerken und zur Einstimmung in andere Plattregionen hänge ich auch noch Texte aus dem Fläming und  Havelberg an das Schreiben an

        

 Wolf-Dieter Boche                              Fassnacht up'n Fläemingdorp

 

Eenmoal int Joahr häen de Liede up't Dorp in'n Fläeming sau richtich gefie'ert.

Fassnacht'n ward nur in'n Fläeming jefie'ert.

De Jastwirt un de Juejend häen utjemoakt, wenn denne Fassnachten sinn sull, awwer sau, dat es nich an'nen selwen Dach woar wie in't Dorp näem'an.

Jefie'ert häen alle, ook Jäste ut de Stadt un Vewanntschaft woarn injeload'n un dea Jujent ut dett Nachbardorp is ook jekoam.

Up'n Soal hät de Juejend een Platzmeester utjesucht un denn jings loot mett det danzen. De Platzmesster jing rum un häet Bure oder Liede ut de Stadt däen Huet upjesetzt unn denne musste dea ne Loa'e jebn. Doa woar schnelle Stimmung in'n Soal. Jedanzt wurr bes de Sock'n schmook'tn. De Ollen, ooch de Verhierad'ten häen nich mettjemoakt. De Frouens häen tujekiekt un de Mansliede häen Koarten jespäelt. Middernachte joahn se alle na Huus um tu äeten. Bie't Fassnachten häen se nich jefasstet! Däe Bure hett en Schwien jeschlacht, Kuke woar jeback'n unn Klemmkuke, een janzen Waschkorf full. De Burschen unn Mäkens häen Jäste mit injeload'n un denne ward jejessen.

De Mudder, de Mäade un de Jrootmudder häen de Arweet deväer jehett.

Um Tweeje hett de Musike wedder anjefang'n tu späelen. Dat jing denne bis frieh um Sechse un de Juejend is denne durch's Dorp jeloop'n un hett jezempert.

Doatomoals sin se mit Masken jeloop'n un häen jesung'n oder nen Zemperspruch jesett:                                                Hiete is dea Fassanchtsdach

                                               Häen je ook recht fett jeschlach't?

                                               Jäen je mee en Sticke Speck,

                                               denn joa ick balle wedder wech.

                                               Jäen je mee en Jlas Bier,

                                               denn bin ick nächschtet Joahr

                                               um die Tied wedder hier.

Twee Doare un twee Nächte häen se jefie'ert, dat woarn de Juejendfassnacht. Jeschlop'n häen se denne hingerher.

Twee Wochen späeder häen de Verhieradeten jefie'ert, awwer nur een Dach. Dat hett denne Männerfassnacht jeheeß'n. Aschermittwoch woar et väerbee. De Liede sin wedder an'ne Arweet jejang'n un häen sich ville vertellt öwer de schiene Fassnachtstied un jefreit up's näejste Joahr.

 

 

 

De Dokter Wald  Prignitz-Platt

plattdütsch översett v. Rotraut Stock 2015

 

Hebb ick moal Koppweihdoag´ un een´ Neurose,

keeneen versteiht mi un ick fööl mi olt,

denn goah ick noah denn Dokter Wald!

 

He wöhnt janz dichten bie, glieks nevenan;

he is mien Oogendokter, mien Psychater,

mien Orthopäd´, mien 

 

He hülpt mi jümmers över jedeen´n Koater

- egoal, ob de ut Kummer orer Cognac is,-

 

He höllt nich vööl vun Pülverchen un Pille,

vööl miehr höllt he van Luft un Sünnenschien!

ook wenn sien Praxis ümmer vull is,

 - bi em, doa loop ick mi jesund! -

 

He brengt uns jümmers up de Been´,

verhinnert Fett un Jallensteen´,

den Blutdruck rejelt he un dat Jewicht,

bloots Husbesööke moakt he nich!

 

 

 

 

VERANSTALTUNGEN

Mi., 31. Jul., 15:00 Uhr
LAGA Klönbank Wittstock
 
Do., 1. Aug., 14:00 Uhr
Großderschauer Plattschnack
 
Di., 6. Aug., 14:00 Uhr
Platt in Ploigts Gasthof
 
Mi., 28. Aug., 15:00 Uhr
LAGA Klönbank Wittstock
 

PLATT IN UNS KIRCH

17. Aug., 14:00 Uhr
Plattdüütsch Kirch in Kletztke
 
18. Aug., 10:00 Uhr
Flämingplatt in Reppinichen
 
1. Sep., 15:00 Uhr
Kirchenplatt in Staaken-Gartenstadt